Die Wahrheit über Modedesigner

'I’m very much down to earth, just not this earth'. – Karl Lagerfeld, einer der größten Modedesigner überhaupt, hinterlässt mit seiner Art oft viele Fragezeichen in den Köpfen der Menschheit. Jeder, der ihn kennt oder schon einmal gesehen hat, weiß, dass er nicht wie Jedermann ist. Im Gegenteil, er ist ein Unikat. Sein weißer Pferdeschwanz und seine Sonnenbrille sind sein Markenzeichen. Er ist einer der Menschen, die unangreifbar wirken.

 

Welche Wahrheit steckt aber hinter eigenartigen Köpfen wie diesen? 

 

Man kann davon ausgehen, dass die Realität selten das ist, wonach es aussieht. Gibt man vor etwas zu sein, so ist man meist etwas ganz Anderes. Jeder von uns hat schon einmal versucht gewisse Teile seines Lebens vor der Öffentlichkeit zu verbergen oder etwas vorzuspielen, was gar nicht der Realität entspricht. 

Warum? 

Um die Wahrheit zu schützen oder sie zu verheimlichen. Allerdings wird diese Farce schneller zum Teil der Persönlichkeit als man denkt. Wer kann also schon von einem anderen Menschen wissen was real ist und was nicht? Eben. Man redet halt gern über Dinge die man nicht weiß. Aber eine gültige Wahrheit gibt es tatsächlich und die möchte ich euch offenbaren.

Um Modedesigner erstmal verstehen zu können, sollte man einen Blick auf ihre Designs werfen. Jeder hat seinen eigenen Stil der in gewisser Weise verrät, was sich der Schöpfer bei der Entstehung gedacht hat (auch wenn es nur heiße Luft war). Wichtig dabei ist zu wissen, dass Mode subjektiv ist. Jeder Mensch nimmt sie anders wahr und geht anders mit ihr um. Mittels Kleidung drücken wir aus, wie wir uns gerade fühlen und worauf wir Wert legen.

 

Der Kleidungsstil ist ein Teil unserer Persönlichkeit; wir zeigen der Welt wer wir sind. Selbst Menschen, die behaupten sich nicht für Mode zu interessieren, haben einen Kleidungsstil der aus der Mode (von wann auch immer) kommt. All das macht sie zu einem komplexen Thema, das viele Menschen fasziniert – darunter auch mich. Ich mache Mode, weil es mir Spaß macht und weil es keine „Arbeit“ für mich ist.

 

Ich liebe es mich vom Leben inspirieren zu lassen und mit diesen Inspirationen Kunstwerke zu erschaffen. Ich liebe das Kreieren und die künstlerischen Tätigkeiten, die essentiell für die Umsetzung der Designs sind. Ich liebe es mir Gedanken darüber zu machen, was ich mit meiner Kleidung ausdrücken will und wie ich diesen Ausdruck am besten hervorheben kann. Genau deswegen bin ich Modedesignerin: Weil ich diese „Arbeit“ liebe.

Mit meiner Mode möchte ich andere Menschen ebenfalls inspirieren und dazu ermutigen, sie selbst zu sein und Spaß daran zu haben! Auch wenn es auf diesen Fotos nicht mit einem Lächeln erkennbar ist, aber ich hatte bei diesem Fotoshooting so viel Spaß!

 

Ich habe mich in meinem Outfit und mit meinem Styling wohl und sicher gefühlt und wenn ich mir die Bilder so ansehe, bin ich richtig stolz auf mich. Die Menschen, die mich kennen wissen, dieser Look ist zu 100% Jani ;-) Trotzdem solltet ihr bedenken: 

Diese Bilder sind Momentaufnahmen. Eine wunderbare Sache, aber sie sind eben nur Momentaufnahmen, die einen gerne täuschen. Darum geht es ja auch, eine Illusion zu erzeugen. Diese Illusion bleibt zwar ewig eingefangen, doch die Realität nicht und die Realität ist: Ich bin auch nur ein Mensch. Selbst wenn es in den Fotos so aussieht, als wäre ich eine, die ihre Nase zu weit nach oben hält, so steckt viel mehr hinter der Person mit den wilden Haaren und dem ausgefallenen Make Up.

Die Wahrheit ist also: Modedesigner sind auch nur MenschenAuch wenn sich manche von ihnen so geben als ob sie über allem wären, müssen sie all die Dinge tun, die ein normaler Mensch tun muss. Sie kommen nach ihren Tätigkeiten genauso nach Hause, Karl Lagerfeld muss seine Sonnenbrille ablegen und Donatella Versace sich ihre Schminke vom Gesicht wischen (falls diese nicht permanent ist) und siehe da, sie müssen zu Bett gehen wie jeder andere normale Mensch. Dass Karl Lagerfeld zu Hause in Jogginghosen herumläuft wage ich zu bezweifeln, immerhin hat er noch nicht die Kontrolle über sein Leben verloren, aber selbst er schläft nicht im Anzug ;-)

Modedesigner haben weder Superkräfte, noch sind sie unkaputtbar, sie müssen Nahrung zu sich nehmen, haben Eltern, die sie auf die Welt gebracht haben, Verwandte und Freunde, genießen hier und da ihre Privatsphäre, werden alt und verrunzelt (nein, davor gibt es kein Entrinnen, auch wenn es Botox-Anhänger nicht einsehen wollen) und müssen sterben. Oder wie man bei uns so schön sagt: „Jeda is nockat auf d’Wöd kumman“.

 

Es hilft mir diese Dinge vor Augen zu führen, wenn ich wieder „zu viel“ Respekt vor Menschen mit hohem Ansehen bekomme. Wenn wir uns ehrlich sind, tut das jeder mal, zum Beispiel bei Doktoren, Berühmtheiten, Geschäftsführern und so weiter. Natürlich haben sie Anerkennung für ihre Leistungen verdient, immerhin führen sie eine Tätigkeit aus, die für viele nicht möglich ist.

 

Wenn es allerdings ums Menschliche geht, stehen wir alle auf derselben Stufe. Nur weil jemand einen hohen Status hat, heißt das nicht, dass er das Recht hat andere Lebewesen ohne Respekt zu entgegnen oder diese gar zu misshandeln. Würde zeigt sich im menschlichen Verhalten, nicht an der Rangordnung.

Viele bemerkenswerte Zitate wie "Zwischen mir und dem Rest der Welt steht eine Glaswand", stammen von Karl Lagerfeld. Diese Aussage kann man schließlich interpretieren wie man will, doch genau darum geht es im Leben. Alles ist subjektiv und wenn man die Verrücktheit der anderen zu ernst nimmt, stehen die Chancen schlecht, je ein glücklicher Mensch zu werden. 

 

Vivienne Westwood, Calvin Klein, Tom Ford, Philipp Plein, Betsey Johnson – sie alle sind wie sie sind und um auf das Zitat zurückzugehen, es befindet sich sehr wohl eine Glaswand zwischen den „großen“ Künstlern und „dem Rest der Welt“, aber wie sonst würden wir uns an der Oberfläche unterscheiden? Die Vielfalt dieses Planeten ist das Wunderbare und die Verrücktheit die damit einhergeht ebenso. Würde man also versuchen das Eigenartige mit anderen Augen zu betrachten, so kommt es einem auch nicht länger so vor, als wären diese Menschen unangreifbar, denn es sind, wie gesagt, Menschen. Nur eben etwas anders.

Danke an meine Fotografin Karin Bergmann und meine Make Up Artistinnen Barbara Pichler und Kerstin Hofer von Art of Style für dieses megageile Ergebnis! Ohne euch wäre dieser Tag nicht annähernd so lustig für mich gewesen.

Kommentare: 2
  • #2

    Andrea (Samstag, 22 April 2017 08:17)

    liebe Janine,
    es freut mich wahnsinnig zu sehen, dass du den Mut gefunden hast, aus der Masse heraus zu treten, um dich zu dir und deinen Talenten zu bekennen. Dies ist nicht so einfach wie es scheint, denn die sogenannte Masse bietet auch Schutz, Anonymität und man kann ungehindert über "die, die anders sind" herziehen. Du hast dich getraut, lässt es zu, dass "man" auf dich schaut und über dich spricht!
    Ich gratuliere dir von ganzem Herzen dazu und das was du erschaffen hast, kann sich ja wirklich sehen lassen! Du hast Talent, bist schön, wunderbar echt und ich will unbedingt mehr von dir sehen!
    Mode mit philosophischen Themen zu verbinden ist eine wunderbare Art, alles von dir zu zeigen und Mode interessierte Menschen, aus dem Vorurteil der Oberflächlichkeit, heraus zu heben!
    Ich wünsche dir viele inspirerende Momente, eine zahlreiche Anhängerschar und dass sich deine Träume erfüllen mögen, alles LIEBE Andrea Cejka ;-) <3

  • #1

    Andrea Braunegger (Freitag, 21 April 2017 22:29)

    Als Mutter findet man natürlich alles was die eigenen Kinder machen super.
    Aber auch als "normaler Leser" bin ich total begeistert was du da gemacht hast!
    Und als Schneiderin- sozusagen "vom Fach"- sage ich dir, Dein Blog ist total interessant und
    inspirierend! Super Bilder, super Kleidung! Ich finde Deinen ersten Beitrag fantastisch und bin schon total gespannt auf die Nächsten! Weiter so, ich bin sehr stolz auf Dich!